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Rating (Finanzwesen)
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Unter Rating ([]; deutsch âBewertung, Einstufungâ) versteht man im Finanzwesen den Anglizismus fĂźr die ordinal skalierte Einstufung der Bonität eines Wirtschaftssubjekts (Unternehmen, Staat) oder eines Finanzinstruments. Die Einstufung wird in der Regel von einer Ratingagentur oder einem Kreditinstitut vorgenommen und in Rating-Stufen klassifiziert. Als Rating wird sowohl das Verfahren zur Ermittlung der Bonitätsstufe als auch dessen Ergebnis bezeichnet. Die Skala der vergebbaren Bonitätsnoten wird auch als âRatingskalaâ, die vereinbarten KĂźrzel fĂźr die Bonitätsnoten als âRatingcodeâ bezeichnet. AuĂer den hier betrachten Ratings zur Beurteilung der Bonität sind solche, die der Beurteilung der Nachhaltigkeit eines Unternehmens dienen (siehe auch ESG-Rating).
Contents
⢠Wortherkunft
⢠Geschichte
⢠Begriffe
⢠Arten
⢠Allgemeines
⢠Rechtsfragen
⢠Ratingskalen
⢠Kreditwesen
⢠Bedeutung
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Wortherkunft
Der Anglizismus âRatingâ stammt vom englischen Verb âto rateâ, was so viel wie âbewertenâ oder â(ab)schätzenâ bedeutet. Das englische Substantiv ârateâ bedeutet âVerhältniszahlâ oder âQuoteâ. Die englische Continuous-Form âratingâ wiederum ist das âBewertenâ oder âAbschätzenâ. Allgemein handelt es sich bei mit âRatingâ bezeichneten Leistungsbeurteilungen um Einstufungen von Dienstleistungsbetrieben wie Hotels, Restaurants, Medien, Unternehmen oder auch Immobilien.cite-ref-1[1] Internet-Ratings von Hotels oder Restaurants werden heutzutage meist unsystematisch und subjektiv im Rahmen einer Bewertung durch Kunden vorgenommen. Ratingagenturen und Kreditinstitute versuchen hingegen, ihre Ratings durch systematische Finanzanalyse vergangenheits- und zukunftsbezogener Daten Ăźber den Schuldner (Bilanzanalyse) zu objektivieren. Auch die Deutsche Bundesbank kann Ratings oder BonitätsprĂźfungen vornehmen.cite-ref-2[2]
Geschichte
Das Rating hat seinen Ursprung in den USA, wo die landesweite Verbreitung der Eisenbahn einen hohen Finanzierungsbedarf auslĂśste. Der sich hierfĂźr etablierende Kapitalmarkt war weitgehend anonym und intransparent, so dass Kreditgeber einem hohen Kreditrisiko ausgesetzt waren. Die Markttransparenz verbesserte sich, als Henry Varnum Poor (1812â1905) im Jahre 1860 die âHistory of the Railroads and Canals of the United Statesâ verĂśffentlichte,cite-ref-3[3] die eine erste detaillierte Zusammenstellung sowohl der betrieblichen als auch der finanziellen Lage der Eisenbahngesellschaften beinhaltete.cite-ref-4[4] Henry Varnum und sein Sohn Henry William Poor (1844â1915) verĂśffentlichten 1868 âThe Manual of the Railroads of the United States of Americaâ, wovon sie innerhalb weniger Monate 2.500 Exemplare verkaufen konnten. Henry William Poor grĂźndete 1873 mit der Poor & Co. eine Versicherungs- und Brokerfirma. Diese fusionierte im Jahre 1919 fĂźr kurze Zeit mit der John Moody & Co., einer Gesellschaft, die im Jahre 1900 das âMoodyâs Manual of Industrial and Corporation Securitiesâ herausbrachte. Die Zusammenarbeit endete 1922, als Poor sich mit der 1906 von Luther und Lee Blake gegrĂźndeten Standard Statistics Inc. zur heutigen Standard & Poorâs zusammenschloss. Diese begann im Jahre 1922 mit systematischen Ratings von Unternehmensanleihen. Inzwischen hatte John Moody (1868â1950) im Jahre 1909 mit seiner Agentur Moodyâs begonnen, Aktien und Anleihen der amerikanischen Eisenbahnen zu raten, 1919 kamen die Bondratings von Kommunalschuldverschreibungen hinzu. JĂźngste der drei grĂśĂten heutigen Agenturen ist Fitch Ratings, die am 24. Dezember 1913 durch John Knowles Fitch (1880â1943) gegrĂźndet wurde. Archibald M. Crossley entwickelte fĂźr Radioprogramme ab März 1930 die âCrossley ratingsâ. Die Verbesserung des Anlegerschutzes durch den Securities Act vom Mai 1933 und die GrĂźndung der Securities and Exchange Commission (SEC) im Juni 1934 fĂźhrten zu einer gesetzlichen Anerkennung von Ratings.
Dass Ratingagenturen nicht fehlerlos blieben und die aktuelle Bonität ihrer Schuldner falsch einschätzten, wurde spätestens im Dezember 1975 beim Bail-out der Stadt New York City und im Dezember 1994 mit der Insolvenz des ebenfalls gut eingestuften Orange County bei subnationalen Ăśffentlichen Schuldnern offenkundig. Im Unternehmenssektor folgten grobe Fehleinschätzungen bei Enron (Dezember 2001), WorldCom (Juli 2002) und Parmalat (Dezember 2003), die allesamt eine von den Agenturen nicht vorhergesehene Insolvenz anmelden mussten. Fehleinschätzungen bei hypothekenbesicherten Wertpapieren (Collateralized Mortgage Obligations) und Collateralized Debt Obligations schlieĂlich waren Ausgangspunkt der Finanzkrise ab 2007. Im Januar 2007 wurden Ratings der Agenturen oder bankinterne Ratings durch Basel II europaweit zur gesetzlich auferlegten Pflicht, in Deutschland durch die Solvabilitätsverordnung. Deren Funktion hat im Januar 2014 die Kapitaladäquanzverordnung (englische AbkĂźrzung CRR) Ăźbernommen und die Mindesteigenkapitalanforderungen fĂźr Kreditrisiken nochmals verschärft. Nach Art. 113 Abs. 1 CRR sind Kreditinstitute in den EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, bei der Anwendung des KSA-Standardansatzes Ratings der von ihnen benannten Ratingagenturen zu Ăźbernehmen.
Begriffe
Im Zusammenhang mit Ratings tauchen einige â ebenfalls englische â Fachbegriffe auf:
⢠Notch (englisch âKerbeâ) ist die Bezeichnung fĂźr eine Ratingklasse (Ratingstufe) im Vergleich zu der nächsten besseren oder schlechteren Ratingklasse. Die infinitesimale Veränderung von einer Ratingklasse zur nächsten beträgt einen notch.
⢠Ratingmigration ist die Veränderung der Bonitätsnote im Zeitablauf durch Herauf- oder Herabstufung. Die Agenturen verĂśffentlichen turnusmäĂig Tabellen mit den vergangenen Herauf- und Herabstufungen, aus denen sich die Wahrscheinlichkeit einer Herauf- oder Herabstufung je Bonitätsklasse als Matrix von Ăbergangswahrscheinlichkeiten ermitteln lässt.
⢠Country ceiling (deutsch Länderobergrenze) ist der Grundsatz, dass ein Schuldner in einem Staat kein besseres Rating aufweisen darf als der Staat, in welchem der Schuldner seinen Sitz hat. Grund hierfßr ist, dass das Länderrisiko dieses Staates mit dem Transferstopprisiko einen limitierenden Faktor bei der Kreditbedienung durch den Schuldner darstellen kann.cite-ref-5[5] Ist der Schuldner zahlungsfähig, sein Staat aber nicht (weil er ßber geringe oder keine Währungsreserven verfßgt), so wird ihm der Staat keinen Devisentransfer genehmigen.
⢠Through-the Cycle (deutsch durch den Zyklus hindurch): Agenturen sind bestrebt, im Rahmen dieser Philosophie Unternehmensratings unabhängig von konjunkturellen Einflßssen und damit weitgehend konstant zu halten.cite-ref-6[6] Temporäre, zyklische Bonitätsveränderungen haben deshalb oft keine Auswirkung auf das Rating (Saisonbereinigung).
⢠Fallen angels (deutsch gefallene Engel) sind Emittenten, deren Bonitätseinschätzung sich durch plĂśtzliche und unerwartet eingetretene Risikoverschlechterung bis in den spekulativen Bereich verschlechtert hat. Sie sind ein Indiz dafĂźr, dass den Agenturen die maĂgebliche Risikoverschlechterung verborgen geblieben ist oder wider besseres Wissen noch nicht berĂźcksichtigt wurde.
⢠Mapping ist der Vergleich eines internen Ratings mit einem externen Rating fßr dasselbe Ratingobjekt. Er soll zeigen, ob und inwieweit diese Ratings voneinander abweichen. Das Mapping muss eine Abweichungsanalyse beinhalten.
⢠Der Outlook (deutsch Ausblick) ist eine Stellungnahme zur wahrscheinlichen Richtung, in der sich ein Rating kurzfristig, mittelfristig oder sowohl kurzfristig als auch mittelfristig entwickeln wird.
⢠Im Kontext der Unternehmensbewertung dient ein Rating zur Quantifizierung des Insolvenzrisikos, das erwartete HÜhe und den zeitlichen Verlauf der Cashflows und die Kapitalkosten beeinflusst.
⢠Insolvenzprognoseverfahren sind quantitative Methoden zur Ableitung eines Ratings.
Arten
Je nachdem, wer ein Rating durchfßhrt, unterscheidet man interne und externe Ratings. Ratingagenturen erstellen externe Ratings, ohne dabei eigenes Risiko zu besitzen, während interne Ratings durch Kreditinstitute oder institutionelle Anleger wie Versicherungen oder Pensionsfonds wegen eigenem Gläubigerrisiko vorgenommen und nicht verÜffentlicht werden.cite-ref-7[7] Agenturen unterscheiden Ratings mit oder ohne Auftrag (solicited/unsolicited) je nachdem, ob sie von einem Schuldner zum Rating beauftragt wurden oder nicht. Dabei differenzieren Agenturen und Banken ihre Ratingsysteme nach der Art des Schuldners in Länderratings, Unternehmensratings, Emissionsratings oder Ratingsysteme fßr natßrliche Personen (Kreditscoring). Hierbei sind weitere Verfeinerungen wegen der unterschiedlichen Bilanzstrukturen und Betriebsabläufe erforderlich (Länderratings in Ratings von einzelnen GebietskÜrperschaften innerhalb eines Staates, Unternehmensratings nach Unternehmensarten in Nichtbanken, Kreditinstitute und Versicherungen).
Die Agenturen unterscheiden wie folgt nach Ratingobjekt:cite-ref-8[8]
| Rating-Objekt | Ziele |
|---|---|
| Schuldtitel wie Anleihen | Beurteilung der Zinszahlungs- und Rßckzahlungsfähigkeit während der Laufzeit des Schuldtitels |
| Emissions Ârating | Beurteilung der Zinszahlungs- und RĂźckzahlungsfähigkeit während der Laufzeit der Emission |
| Emittenten Ârating | Beurteilung der Zinszahlungs- und RĂźckzahlungsfähigkeit eines Emittenten wegen seiner erstrangigen Verpflichtungen allgemein oder fĂźr Derivate und damit MaĂ fĂźr das Insolvenzrisiko . |
| Eigenkapital Âtitel, Aktien Ârating | Beurteilung des Unternehmens und seiner Kursrisiken sowie der Wahrscheinlichkeit einer Dividenden Âzahlung |
| Fondsrating: Geldmarktfonds , Investmentfonds | Beurteilung der Qualität der Finanzinstrumente , des Fondsmanagements , der Einhaltung der Anlageziele und -strategien , Liquiditätsvorsorge und Marktrisiken |
| Unternehmen : Nichtbanken , Kreditinstitute , Versicherungen | Beurteilung der Sicherheit von AnsprĂźchen der Einleger und Versicherungsnehmer |
| Staaten ( Länderrisiko ) und deren subnationale GebietskÜrperschaften | Beurteilung der Zinszahlungs- und Rßckzahlungsfähigkeit von Staaten und ihren Untergliederungen |
Allgemeines
Im Bankwesen erfolgt die Einordnung der Schuldnerqualität nach bankeigenen Kriterien (âinternes Ratingâ) oder wird von international tätigen Ratingagenturen wie Moodyâs, Standard & Poorâs, Fitch oder DBRS (âexternes Ratingâ) vorgenommen. Neben diesen groĂen internationalen Agenturen, die zusammen Ăźber 97 % des weltweiten Ratingmarktes abdecken, existieren inzwischen in fast allen Ländern national operierende Ratingagenturen. Daneben gibt es kleinere Ratingagenturen, die sich auf die Beurteilung der Bonität in bestimmten Geschäftsbereichen spezialisiert haben (etwa Banken, Versicherungen).
ratingcodesBeim internen Bankrating wie auch dem von den Agenturen angebotenen externen Rating werden mittels mathematisch-statistischer Verfahren Ausfallwahrscheinlichkeiten anhand von Ausfallsmerkmalen errechnet und in Ratingstufen eingeteilt, die mit Ratingcodes abgekĂźrzt werden. So steht AAA (englisch ausgesprochen: triple A) fĂźr hĂśchste Bonität, C oder gar D dagegen fĂźr eine sehr schlechte. Die einzelnen Kategoriebezeichnungen unterscheiden sich von Agentur zu Agentur. So verwendet Moodyâs Zahlen als Zusatz, zum Beispiel A1, A2, A3, während bei Standard & Poorâs ein â+â oder âââ angefĂźgt wird. Transformationstabellen sorgen fĂźr einen Vergleich der von den Agenturen verwendeten unterschiedlichen Ratingcodes.
In der Regel gilt, dass ein Schuldner mit besserem Rating sich zu besseren Konditionen (niedrigeren Kreditzinsen) Fremdkapital verschaffen kann. Dagegen mĂźssen Schuldner mit schlechterem Rating aufgrund der dadurch zum Ausdruck kommenden hĂśheren Ausfallwahrscheinlichkeit (Bonitätsrisiko) einen hĂśheren Zinssatz zahlen. Die Zinsdifferenz, die ein Schuldner im Vergleich zu einem Staat bester Bonität bezahlen muss, nennt man Credit Spread. Stimmt dieser Credit Spread mit dem Rating des Schuldners Ăźberein, kann von einem ârichtigenâ Rating ausgegangen werden. Das Rating beeinflusst damit die Kapitalkosten.
Die Kosten des Ratings werden in der Regel vom auftraggebenden Unternehmen getragen, kĂśnnen grundsätzlich aber auch vom Investor getragen werden.cite-ref-bmwi-9-0[9] Es ist oft besser â aufgrund der Informationsasymmetrie zwischen Emittent und Kapitalgebern â ein schlechtes Rating zu präsentieren als keines, da viele Investoren Schuldner ohne Rating ignorieren. Besonders in den USA hat das Rating schon eine lange Tradition, und es ist so gut wie unmĂśglich, ohne ein Rating Kapital am Kapitalmarkt aufzunehmen. Deshalb besitzen die meisten der am Kapitalmarkt teilnehmenden europäischen Unternehmen ein Rating.
Institutionelle Anleger wie Pensionskassen sind per Gesetz oder durch ihre eigenen Arbeitsanweisungen verpflichtet, nur Anleihen von Schuldnern zu erwerben, die ein bestimmtes Mindestrating aufweisen, also von anlagewĂźrdiger Bonität (englisch investment grade) sind. Schlechtere Bonität wird zur Unterscheidung als âspekulativâ (englisch speculative grade) bezeichnet. Anleihen von spekulativer Bonität werden Hochzinsanleihen oder Schrottanleihen (englisch high yield bonds oder junk bonds) genannt. Fällt das Rating eines Schuldners aus dem anlagewĂźrdigen in den spekulativen Bereich, so sind die Kursabschläge auf seine Anleihen meist besonders heftig â viele institutionelle Investoren sind bei einem solchen Ereignis verpflichtet, die im Bestand gehaltenen Titel zu veräuĂern. Damit fĂźhren Ratingmigrationen zu Käufen oder Verkäufen am Kapitalmarkt.
Ănderungen des Ratings eines Staates oder Unternehmens kĂźndigen die Ratingagenturen häufig durch einen negativen oder positiven âAusblickâ (englisch outlook) schon lange vor VerĂśffentlichung des nächsten Ratingberichts an. Deshalb sollten die Preise der Anleihen bereits Monate vor VerĂśffentlichung des Ratingberichts die neue Einschätzung widerspiegeln. Dies stĂźtzt und entspricht der These der mittelstarken Markteffizienz.
In Deutschland sind die groĂen internationalen Ratingagenturen durch die Bundesanstalt fĂźr Finanzdienstleistungsaufsicht anerkannt. Je nach Anerkennung dĂźrfen die Ratingagenturen unterschiedliche Ratings fĂźr unterschiedliche Produkte vergeben.
Rechtsfragen
In Art. 3 Abs. 1a EU-Ratingverordnungcite-ref-10[10] gibt es eine Legaldefinition des Begriffs Rating. Danach ist Rating ein âBonitätsurteil in Bezug auf ein Unternehmen, einen Schuldtitel oder eine finanzielle Verbindlichkeit, eine Schuldverschreibung, eine Vorzugsaktie oder ein anderes Finanzinstrument oder den Emittenten derartiger Schuldtitel, âŚ, das anhand eines festgelegten und definierten Einstufungsverfahrens fĂźr Ratingkategorien abgegeben wird.â Auch rechtlich bezeichnet Rating einerseits das Verfahren und andererseits das hieraus resultierende Bonitätsurteil.
Zu unterscheiden ist bei der Haftung der Agenturen fĂźr ein fehlerhaftes Rating zwischen der Haftung gegenĂźber dem geschädigten Schuldner, der aufgrund eines zu schlechten Ratings unberechtigt hohe Kreditzinsen bezahlen muss, und der Haftung gegenĂźber anderen Marktteilnehmern, die sich auf ein zu gutes Rating verlassen haben und dadurch geschädigt wurden.cite-ref-11[11] Die amerikanischen Agenturen sind allerdings im Einklang mit der US-Rechtsprechung der Auffassung, dass sie lediglich MeinungsäuĂerungen (âopinionsâ) verĂśffentlichen,cite-ref-12[12] deshalb nach amerikanischem Recht wegen etwaiger Schäden nicht haftbar sind, und sehen sich nur dem Presserecht unterworfen. Ihre Ratings bauen zwar auf der Vergangenheit eines Schuldners auf, beinhalten jedoch auch Prognosen. Ratings beruhen zwar auf objektiven Tatsachen (Jahresabschluss), Auswahl und Gewichtung einzelner Ratingkriterien sind jedoch subjektiv. Eine Ratingeinstufung ist deshalb insgesamt keine Tatsache, sondern eine subjektive, wertende Schlussfolgerung.cite-ref-13[13] Der von den Agenturen im Rahmen ihrer Allgemeinen Geschäftsbedingungen vorgenommene Haftungsausschluss ist bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit im deutschen Recht unzulässig. Im Falle des Vorsatzes kann bei einem fehlerhaften Rating von einer deliktischen Haftung der Agenturen nach § 823 Abs. 1 BGB ausgegangen werden. Ein Anspruch aus § 826 BGB wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung dĂźrfte an Beweisproblemen scheitern.cite-ref-14[14]
Die Verletzung von Mindestanforderungen der Kreditinstitute an das Rating eines Unternehmens wird im Risikomanagement in Deutschland als âbestandsgefährdende Entwicklungâ (§1 StaRUG) angesehen, weil in einer solchen Situation die Unternehmensfinanzierung gefährdet ist.
Methodik und Ratingsysteme
Die Agenturen geben nur wenig Details zu ihren Ratingmethoden bekannt,cite-ref-15[15] auch Bankenverbände lehnten bisher eine Offenlegung der Ratingmethoden ab.cite-ref-16[16] Die Ratingmethode befasst sich mit der Merkmalsauswahl (Vorgabe), der Merkmalbildung (Definition) und der Merkmalverdichtung (Gewichtung) durch ein mathematisch-statistisches Modell. Zur Ratingmethode gehÜrt unter anderem die Auswahl der Ratingkriterien (etwa betriebswirtschaftliche Kennzahlen wie die Eigenkapitalquote bei Unternehmen) und deren Gewichtung im Rahmen aller ausgewählten Kriterien. Die einem Ratingobjekt zugeordnete Ratingklasse ist das Ergebnis der Verdichtung einzelner Bonitätskriterien. Auch die Anzahl der notches in einer Ratingskala ist Bestandteil der Ratingmethode. Je mehr notches vorhanden sind, umso hÜher ist die Trennschärfe und Migrationswahrscheinlichkeit, da bereits geringste Risikoänderungen eine Ratingmigration auslÜsen. Der Zeitraum fßr die Dauer einer Ratingprognose fßhrt zu Kurzfrist- (bis 12 Monate) oder Langfristratings (bis 4 Jahre). Jeder Ratingklasse ist eine individuelle Ausfallwahrscheinlichkeit zugeordnet (kalibriert), so dass sämtliche einer Ratingklasse angehÜrigen Schuldner die gleiche Ausfallwahrscheinlichkeit aufweisen. Nach Auffassung der Bundesbank gilt ein Ratingsystem als gut kalibriert, wenn die geschätzten Ausfallwahrscheinlichkeiten gar nicht oder nur wenig von den tatsächlich eingetretenen Ausfallquoten abweichen.
Das Rating von Unternehmen wird vornehmlich an aussagekräftigen Kennziffern zur Beurteilung der Liquiditätslage (Verschuldungsgrad, Zinsdeckungsgrad) festgemacht.cite-ref-17[17] Diese Liquiditätskennzahlen erlauben den Ratingagenturen aufgrund ihrer Erfahrungen eine realistische Zuordnung zu verschiedenen Ratingstufen. Daneben wird immer auch das Geschäftsmodell (bzw. das Geschäftsrisiko) eingehend untersucht. So wird ein Unternehmen mit einem auĂergewĂśhnlich stabilen Geschäftsmodell und einem beeindruckenden Verschuldungsgrad (Net Debt/EBITDA < 1,5) bei Standard & Poorâs beispielsweise mit AAA geratet. Je schwächer bzw. anfälliger das Geschäftsmodell, desto schlechter wird auch das Rating ausfallen. In den meisten Fällen gilt, dass fĂźr eine schlechtere Stufe im Geschäftsmodell das Rating ebenfalls um eine Stufe heruntergesetzt wird. Eine Ăbersicht gibt die nebenstehende Abbildung.
Nach § 60 SolvV a. F. wurden unter Ratingsysteme alle Methoden, Verfahrensabläufe, Steuerungs- und Ăberwachungsprozeduren und Datenerfassungs- und Datenverarbeitungssysteme verstanden, die die Einschätzung von Adressrisiken und die Quantifizierung von Ausfall- und Verlustschätzungen fĂźr Schuldner unterstĂźtzen. Interne Bankenratings sind im Rahmen des IRB-Ansatzes (Internal Ratings Based Approach) nach Art. 143 Kapitaladäquanzverordnung durch die Bankenaufsicht erlaubnispflichtig, ansonsten sind die Ratings anerkannter Ratingagenturen heranzuziehen. Beim IRB-Ansatz mĂźssen die Kreditinstitute ein Ratingsystem anwenden, das den Voraussetzungen der Art. 144 ff. Kapitaladäquanzverordnung entspricht. Danach liefern die Ratingsysteme des Instituts eine aussagekräftige Beurteilung der Merkmale von Schuldner und Geschäft, eine aussagekräftige Risikodifferenzierung sowie genaue und einheitliche quantitative Risikoschätzungen. Nach Art. 170 Kapitaladäquanzverordnung mĂźssen die Kreditinstitute unterschiedliche Ratingsysteme fĂźr Unternehmen, Kreditinstitute oder Staaten vorhalten, die den Risikomerkmalen dieser Schuldner Rechnung tragen und mindestens 7 Ratingstufen (notches) fĂźr nicht ausgefallene Schuldner und eine fĂźr ausgefallene Schuldner enthalten.
Bewertungskriterien
Zur Beurteilung und Einstufung der zu bewertenden Schuldner oder Emissionen sammeln die Ratingagenturen und Banken sämtliche verÜffentlichten Daten ßber das Ratingobjekt, kontaktieren den Schuldner fßr zusätzliche Informationen und werten diese Daten intern aus. Dabei ergeben sich zwei Arten, und zwar quantitative und qualitative Faktoren.
Quantitative Faktoren
Bewertung der wirtschaftlichen Verhältnisse (bei Unternehmen unter anderem Liquiditäts-, Finanz-, Ertragslage, Bilanzentwicklung, Kapitalstruktur, Anfälligkeit fĂźr Währungs- und Finanzkrisen) des Ratingobjekts anhand von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen wie Gewinn, Fremdkapitalquote, Cashflow und Liquiditätsgrad. Insbesondere spielen Schuldenkennzahlen eine groĂe Rolle, da sie das Risikodeckungspotenzial und die Schuldendiensttragfähigkeit als zentrale Faktoren eines Ratings reflektieren. Bei Staaten wird der Staatshaushalt analysiert, bei staatlichen Untergliederungen wird eine kommunale Jahresabschlussanalyse durchgefĂźhrt.
Qualitative Faktoren
Unter die qualitativen Faktoren fallen Merkmale wie Managementqualität, Unternehmensstrategie, Organisationsstruktur, Prozessorganisation, Fortbildung der Mitarbeiter, Aufbau des Controllings und Risikomanagements und Public Relations sowie die Wettbewerbsfähigkeit. Bei Staaten werden hier die Stabilität der Regierung, des Rechts- und Finanzsystems oder die Mitgliedschaft in internationalen Organisationen berßcksichtigt.
Erfahrungs- und Umweltfaktoren
Hierunter fällt zum einen die gesamte Historie, die zum Beispiel eine Bank mit einem Kunden protokolliert hat (wurden Verträge eingehalten, wurden Zins- und Tilgungszahlungen termingerecht bedient) und zum anderen extern gegebene Faktoren wie Branchenentwicklung, Standortbedingungen, Lieferanten- und Kundenbeziehungen.
Ratingsymbole/Ratingcodes
Die Ratingklassen â in der Kapitaladäquanzverordnung (CRR) âRatingstufenâ genannt â sind jeweils durch Ratingsymbole (Ratingcodes) gekennzeichnet. Es ist ein von Ratingagenturen verwendeter BuchstabenschlĂźssel, der das Ausfallrisiko eines Schuldners darstellt und somit eine einfache Beurteilung der Bonität erlaubt. Der Ratingcode ist Ergebnis des Ratingprozesses. Jedem Ratingsymbol ist eine individuelle Definition zugeordnet. S&P definiert die Bestnote AAA (Triple A) als âdas hĂśchste von S&P vergebene Rating, wobei die Fähigkeit, Zinsen und Kreditbetrag zurĂźckzahlen zu kĂśnnen, als extrem hoch eingestuft ist.âcite-ref-18[18] FĂźr jeden ânotchâ verschlechtert sich diese Definition bis zu âDâ als Forderungsausfall (âdefaultâ) oder als Zahlungsverzug bei Fälligkeit unter BerĂźcksichtigung einer Heilungsfrist (âgrace periodâ) von 5 Geschäftstagen. Kreditinstitute verwenden bei ihren bankinternen Ratings sehr unterschiedliche Symbole, die ebenfalls zum Ziel haben, die einzelnen Ratingstufen voneinander unterscheiden zu kĂśnnen. Sie sind nach Art. 142 Nr. 6 CRR verpflichtet, den einzelnen Ratingklassen jeweils empirisch ermittelteAusfallwahrscheinlichkeiten zuzuordnen. Wann ein Forderungsausfall (âdefaultâ) als eingetreten gilt, ist in Art. 178 CCR definiert.
Bei Ratings wird zwischen Langfrist- (Long Term, > 360 Tage) und Kurzfrist- (Short Term, < 360 Tage) Ratings unterschieden. FĂźr Long Term Ratings sind die Ratingcodes in AAA, AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C und D, aufgeteilt. Innerhalb der Buchstabenkombinationen AA bis B wird eine weitere, verfeinerte, Aufgliederung nach oberes, mittleres und unteres Drittel vorgenommen. Je nach Ratingagentur werden unterschiedliche Buchstabenkombinationen verwendet. Eine âAAAâ (Triple A) bewertete Anleihe wird von den Ratingagenturen als sehr sicher eingestuft, das Ausfallrisiko sollte daher gering sein. Das Ausfallrisiko von Anleihen, die mit âCaâ bzw. âCCâ bewertet wurden, wird als hoch eingestuft. Da Investoren fĂźr die Ăbernahme des Adressausfallrisikos einen Aufschlag verlangen, sind die Renditen von Anleihen hoher Bonität meist geringer als die von schlecht gerateten Anleihen. Schuldner, die in Zahlungsverzug sind, werden von Moodyâs mit dem Rating âCâ und von Standard & Poorâs und Fitch mit dem Rating âDâ bewertet. Solche spekulativen Anleihen sind eher fĂźr professionelle Investoren interessant, falls diese auf einen Turnaround oder eine unerwartet positive Entwicklung hoffen.
In der Finanzbranche werden die Ratings in die Gruppen anlagewĂźrdig (englisch investment grade, Ratingcodes AAA bis BBB inklusive Baa3 bzw. BBB-) und spekulativ (englisch speculative grade, Ratingcode BB oder schlechter) aufgeteilt. Diese Unterscheidung spielt insbesondere bei Institutionellen Anlegern wie Pensionskassen oder Versicherungen eine wichtige Rolle, da diese oftmals per Gesetz oder durch ihre eigenen Statuten verpflichtet sind, nur Anleihen von Schuldnern zu kaufen, die ein bestimmtes Mindestrating haben.
Ratingskalen
ratingcodestabelleVerschiedene Skalen werden fĂźr die Ratings verwendet. Einen Ăberblick Ăźber die Skalen der fĂźhrenden Agenturen anhand anerkannter Vergleichstabellen gibt nachfolgende Tabelle:cite-ref-19[19]
| Moodyâs [ 20 ] | Moodyâs [ 20 ] | S&P [ 21 ] | S&P [ 21 ] | Fitch [ 22 ] | Fitch [ 22 ] | DBRS | DBRS | Englische Bezeichnung | Deutsche Beschreibung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Long Term | Short Term | Long Term | Short Term | Long Term | Short Term | Long Term | Short Term | Englische Bezeichnung | Deutsche Beschreibung |
| Aaa | P-1 | AAA | A-1+ | AAA | F1+ | AAA | R-1 (high) | Prime (Triple A) | Schuldner hÜchster Bonität, Ausfallrisiko auch längerfristig so gut wie vernachlässigbar |
| Aa1 | P-1 | AA+ | A-1+ | AA+ | F1+ | AAhigh | R-1 (middle) | High grade | Sichere Anlage, Ausfallrisiko so gut wie vernachlässigbar, längerfristig aber etwas schwerer einzuschätzen |
| Aa2 | P-1 | AA | A-1+ | AA | F1+ | AA | R-1 (middle) | High grade | Sichere Anlage, Ausfallrisiko so gut wie vernachlässigbar, längerfristig aber etwas schwerer einzuschätzen |
| Aa3 | P-1 | AAâ | A-1+ | AAâ | F1+ | AAlow | R-1 (middle) | High grade | Sichere Anlage, Ausfallrisiko so gut wie vernachlässigbar, längerfristig aber etwas schwerer einzuschätzen |
| A1 | P-1 | A+ | A-1 | A+ | F1 | Ahigh | R-1 (low) | Upper medium grade | Sichere Anlage, sofern keine unvorhergesehenen Ereignisse die Gesamtwirtschaft oder die Branche beeinträchtigen |
| A2 | P-1 | A | A-1 | A | F1 | A | R-1 (low) | Upper medium grade | Sichere Anlage, sofern keine unvorhergesehenen Ereignisse die Gesamtwirtschaft oder die Branche beeinträchtigen |
| A3 | P-2 | Aâ | A-2 | Aâ | F2 | Alow | R-2 (high) | Upper medium grade | Sichere Anlage, sofern keine unvorhergesehenen Ereignisse die Gesamtwirtschaft oder die Branche beeinträchtigen |
| Baa1 | P-2 | BBB+ | A-2 | BBB+ | F2 | BBBhigh | R-2 (middle) | Lower medium grade | Durchschnittlich gute Anlage. Bei Verschlechterung der Gesamtwirtschaft ist aber mit Problemen zu rechnen |
| Baa2 | P-3 | BBB | A-3 | BBB | F3 | BBB | R-2 (low) | Lower medium grade | Durchschnittlich gute Anlage. Bei Verschlechterung der Gesamtwirtschaft ist aber mit Problemen zu rechnen |
| Baa3 | P-3 | BBBâ | A-3 | BBBâ | F3 | BBBlow | R-3 | Lower medium grade | Durchschnittlich gute Anlage. Bei Verschlechterung der Gesamtwirtschaft ist aber mit Problemen zu rechnen |
| Ba1 | Not Prime | BB+ | B | BB+ | B | BBhigh | R-4 | Non-investment grade speculative | Spekulative Anlage. Bei Verschlechterung der Lage ist mit Ausfällen zu rechnen |
| Ba2 | Not Prime | BB | B | BB | B | BB | R-4 | Non-investment grade speculative | Spekulative Anlage. Bei Verschlechterung der Lage ist mit Ausfällen zu rechnen |
| Ba3 | Not Prime | BBâ | B | BBâ | B | BBlow | R-4 | Non-investment grade speculative | Spekulative Anlage. Bei Verschlechterung der Lage ist mit Ausfällen zu rechnen |
| B1 | Not Prime | B+ | B | B+ | B | Bhigh | R-5 | Highly speculative | Hochspekulative Anlage. Bei Verschlechterung der Lage sind Ausfälle wahrscheinlich |
| B2 | Not Prime | B | B | B | B | B | R-5 | Highly speculative | Hochspekulative Anlage. Bei Verschlechterung der Lage sind Ausfälle wahrscheinlich |
| B3 | Not Prime | Bâ | B | Bâ | B | Blow | R-5 | Highly speculative | Hochspekulative Anlage. Bei Verschlechterung der Lage sind Ausfälle wahrscheinlich |
| Caa1 | Not Prime | CCC+ | C | CCC | C | CCC | D | Substantial risks | Nur bei gßnstiger Entwicklung sind keine Ausfälle zu erwarten |
| Caa2 | Not Prime | CCC | C | CC | C | CC | D | Extremely speculative | Nur bei gßnstiger Entwicklung sind keine Ausfälle zu erwarten |
| Caa3 | Not Prime | CCCâ | C | CC | C | CC | D | In default with little prospect for recovery | Moodyâs: in Zahlungsverzug Standard & Poorâs: hohe Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls oder Insolvenzverfahren beantragt, aber noch nicht in Zahlungsverzug |
| Ca | Not Prime | CC | C | C | C | C | D | In default with little prospect for recovery | Moodyâs: in Zahlungsverzug Standard & Poorâs: hohe Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls oder Insolvenzverfahren beantragt, aber noch nicht in Zahlungsverzug |
| Ca | Not Prime | C | C | C | C | C | D | In default with little prospect for recovery | Moodyâs: in Zahlungsverzug Standard & Poorâs: hohe Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls oder Insolvenzverfahren beantragt, aber noch nicht in Zahlungsverzug |
| C | Not Prime | SD | / | RD | / | D | / | Selective/Restricted default | Teilweiser, begrenzter oder vollständiger Zahlungsausfall |
| C | Not Prime | D | / | D | / | D | / | In default | Teilweiser, begrenzter oder vollständiger Zahlungsausfall |
Ratingskalen sind Tabellen mit abgestuften Ausfallwahrscheinlichkeiten, die zwischen den Extremwerten âfast kein Risikoâ und âZahlungsausfallâ liegen. Den einzelnen Ratingstufen (ânotchesâ) wird jeweils eine bestimmte Ausfallwahrscheinlichkeit zugeordnet. Je hĂśher die Wahrscheinlichkeit liegt, dass ein Kreditnehmer seinen Zahlungsverpflichtungen ganz oder teilweise nicht mehr nachkommen kann, desto schlechter fällt seine Risikoklasse (Risikograd) aus. Das Ratingsystem beinhaltet eine Risikoeinstufungsskala fĂźr Schuldner, die ausschlieĂlich die HĂśhe des Schuldnerausfallrisikos erfasst. Diese Skala umfasst mindestens 7 Ratingstufen fĂźr nicht ausgefallene Schuldner und eine Stufe fĂźr ausgefallene Schuldner.
Daneben gibt es folgende weitere AbkĂźrzungen:cite-ref-23[23]
⢠EXP / e (englisch expected): erwartetes Rating,
⢠NAV (englisch not available): Rating (noch) nicht verfßgbar,
⢠NR (englisch not rated): nicht bewertet,
⢠p (englisch provisional): vorläufiges Rating,
⢠R (englisch regulatory supervision): Schuldner befindet sich unter behÜrdlicher Aufsicht,
⢠TWR (englisch terminated without rating): fällige oder zurßckgezahlte Emission, die nicht bewertet war,
⢠englisch unsolicited: (unverlangt): ohne Veranlassung und Mitwirkung des Emittenten erstelltes Rating,
⢠WD / WR (englisch withdrawn rating): zurßckgezogenes Rating.
Kreditwesen
Die Kreditinstitute in allen EU-Mitgliedstaaten haben bei jedem Kreditrisiko nach der Kapitaladäquanzverordnung (CRR) die Wahl zwischen zwei Ratingverfahren:
⢠Kreditrisiko-Standardansatz (KSA): die Risikoparameter Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) und Ausfallverlustquote (LGD) werden durch die Bankenaufsicht vorgegeben. Das Rating ist nach Art. 113 Abs. 1 CRR von anerkannten externen Ratingagenturen zu ßbernehmen und bestimmt den dritten Risikoparameter, die AusfallkredithÜhe (EaD).
⢠Auf internen Ratings basierender Ansatz (IRBA): hier entfallen stufenweise die aufsichtsrechtlichen Vorgaben fßr die Risikoparameter, wobei
⢠beim Basis-IRBA (F-IRBA) nur die Ăbernahme von Ratings der Ratingagenturen entfällt, so dass die PD selbst zu schätzen ist, und
⢠beim fortgeschrittenen IRBA (A-IRBA) alle Vorgaben entfallen, so dass alle Risikoparameter vom Institut selbst zu berechnen sind. Kreditinstitute verwenden beim A-IRBA etwa 80 % harte Daten (insbesondere betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Kennzahlen) und 20 % weiche Daten (etwa. kßnftige wirtschaftliche Entwicklung harter Daten durch Trendextrapolation; beim Länderrating: Anzahl Regierungswechsel in den letzten 10 Jahren, beim Unternehmensrating: Fluktuation im Top-Management).
Der Standardansatz gilt fßr alle Kreditinstitute, sofern sie kein anderes Ratingverfahren gemäà Art. 143 CRR von der Bankenaufsicht genehmigt bekommen.
Bedeutung
Ratings stellen die Grundlage des Risikomanagements dar. Sie dienen dem extern gerateten Schuldner zur Kommunikation mit den Agenturen, die ihm genaue Anforderungen zur Verbesserung eines Ratings stellen. Externe Ratings sind in der Ăffentlichkeit geeignet, die Reputation gerateter Schuldner zu beeinflussen oder Kauf- oder Verkaufsentscheidungen durch private oder institutionelle Investoren herbeizufĂźhren. Deshalb kĂśnnen Ratingveränderungen auch Kursveränderungen auslĂśsen. GegenĂźber dem Schuldner stellt das externe Rating eine Referenzierung in Kreditverträgen oder bei Anleihen dar, was zur Veränderung der Kreditmargen/Credit Spreads/Zinssätze beitragen kann. Als Referenzierung in Kredit- und Konsortialkreditverträgen kann es in Form von Covenants Ăźber Blankokredit, Nachbesicherung oder KreditkĂźndigung entscheiden. Bankinterne Ratings fĂźhren zu denselben Auswirkungen. Zusätzlich beeinflussen sie die HĂśhe der âRisk-weighted Assetsâ und damit die Eigenkapitalbelastung durch ein Kreditportfolio. Verschlechtern sich mithin allgemein die Ratings, mĂźssen Banken ihr Kreditportfolio mit mehr Eigenkapital unterlegen. Im Finanzwesen sind Ratings, nicht zuletzt wegen der gesetzlichen Ratingpflicht fĂźr Kreditinstitute und der gesetzlichen Anerkennung von Ratingagenturen, nicht mehr hin wegzudenken. Die Ratingaufgaben mĂźssen verantwortungsvoll erfĂźllt werden, um folgenreiche Fehler wie in der Vergangenheit mĂśglichst auszuschlieĂen. Dies spielt insbesondere in jenen Fällen keine irrelevante Rolle, wenn Firmen oder Vereine konkrete Anweisungen Ăźber Mindestratings von Anlagen in ihren Statuten festschreiben, was bei einer Herabstufung zur verpflichtenden AbstoĂung von herabgestufen Titeln fĂźhren kann.
Siehe auch
Literatur
⢠Fabian Dittrich: The Credit Rating Industry. Competition and Regulation. Dissertation, Universität KÜln 2007 (Volltext)
⢠Ottmar Schneck, Paul Morgenthaler, Mohammed Yesilhark: Rating: wie Sie sich effizient auf Basel II vorbereiten. dtv, Mßnchen 2003, ISBN 3-423-50871-X.
⢠Ulrich G. Schroeter: Ratings â Bonitätsbeurteilungen durch Dritte im System des Finanzmarkt-, Gesellschafts- und Vertragsrechts. Eine rechtsvergleichende Untersuchung. TĂźbingen 2014, ISBN 978-3-16-152043-3.
⢠Oliver Everling, Ottmar Schneck: Das Rating ABC. Wiesbaden 2005, ISBN 3-527-50126-6.
Weblinks
Wiktionary: Rating
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wiktionary: AAA
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Einzelnachweise
cite-note-11. â Michael Munsch/Bernd WeiĂ: Rating: Finanzdienstleistung und Entscheidungshilfe. 2001, S. 11.
cite-note-22. â Bonitätsanalyse der Deutschen Bundesbank
cite-note-33. â Henry Varnum Poor, History of the Railroads and Canals of the United States, Volume I, 1860.
cite-note-44. â Gianluca Mattarocci, The Independence of Credit Rating Agencies, 2014, S. 33.
cite-note-55. â Thomas E. Krayenbuehl, Cross-border Exposures and Country Risk, 2001, S. 108
cite-note-66. â Gunter LĂśffler: An anatomy of rating through the cycle, in: Journal of Banking and Finance 28, 2004, S. 695.
cite-note-77. â Oliver Everling: Artikel âRatingâ in: Wolfgang Gerke, Gerke BĂśrsen Lexikon, 2002, S. 655 ff.
cite-note-88. â Volker G. Heinke: Bonitätsrisiko und Credit Rating festverzinslicher Wertpapiere. Eine empirische Untersuchung am Euromarkt. 1998, S. 18.
cite-note-bmwi-99. â Schlaglichter der Wirtschaftspolitik â Monatsbericht des BMWi Dezember 2010: âMachtvolle Beraterâ (Memento vom 18. Mai 2015 im Internet Archive)
cite-note-1010. â Verordnung (EG) Nr. 1060/2009 des Europäischen Parlaments vom 16. September 2009, Amtsblatt EU L 302/1
cite-note-1111. â Ulrich G. Schroeter: Ratings â Bonitätsbeurteilungen durch Dritte im System des Finanzmarkt-, Gesellschafts- und Vertragsrechts. 2014, S. 779 ff.
cite-note-1212. â vgl. In re Lehman Brothers Mortgage-Backed Securities Litigation vom 11. Mai 2011, 650 F3d, 167, 183: âThe rating issued by a Rating Agency speaks merely to the Agencyâs opinion of the creditworthiness of a particular security.â
cite-note-1313. â Ulrich G. Schroeter: Ratings â Bonitätsbeurteilungen durch Dritte im System des Finanzmarkt-, Gesellschafts- und Vertragsrechts. 2014, S. 20.
cite-note-1414. â Carsten Thomas Ebenroth, Thomas Daum: Die rechtlichen Aspekte des Ratings von Emittenten und Emissionen. in: WM-Sonderbeilage 5/1992 vom 24. Oktober 1992, S. 11.
cite-note-1515. â S&P Ratings Services, Corporate Ratings Methodology. 04/14, 2014, S. 2.
cite-note-1616. â Betriebswirtschaft im Blickpunkt, Bankenverbände lehnen eine Offenlegung der Ratingmethoden ab. Ausgabe 10/2003, S. 270.
cite-note-1717. â Peter Seppelfricke: Unternehmensanalysen. Schäffer-Poeschel, 2019, ISBN 978-3-7910-4435-4 (schaeffer-poeschel.de [abgerufen am 7. Januar 2020]).
cite-note-1818. â Standard & Poorâs Ratings Definitions vom 20. November 2014
cite-note-1919. â EidgenĂśssische Finanzmarktaufsicht, Konkordanztabellen (PDF), abgerufen am 12. November 2014.
cite-note-201. Moodyâs, Rating Symbols & Definitions, abgerufen am 12. November 2014
cite-note-212. S&P Global Ratings Definitions. In: standardandpoors.com. 18. September 2019, abgerufen am 28. Februar 2020 (amerikanisches Englisch).
cite-note-223. Fitch Ratings, Definitions of Ratings and Other Forms of Opinion, abgerufen am 12. November 2014.
cite-note-2323. â Credit ratings (englisch) auf morganstanley.com, abgerufen am 27. März 2018.